Frank Berting (Vorsitzender des Bundesverbandes der Junioren des Handwerks) zur Rolle der Rating-Agenturen und Konsequenzen für Europa

Für handwerkliche Produkte und Dienstleistungen gilt: Der Kunde weiß, was er kauft. Er kann sich auf Qualität und Transparenz des Angebots verlassen.

Würde das auch für Finanzprodukte und deren Anbieter gelten, wären die Finanzkrisen seit der Deregulierungswelle ab 1980 nicht so massiv ausgefallen.

Laut Jerome Fons (ehemaliger Geschäftsführer der Ratingagentur Moody's) wurde die US-Investmentbank Bear Stearns kurz vor ihrer Pleite im September 2008 mit AA, dem zweitbesten Rating bewertet. Die US-Investmentbank Lehman-Brothers hatte wenige Tage vor dem Scheitern ein ebenfalls ein AA-Rating, ebenso wie der bis dahin weltgrößte Versicherungskonzern AIG kurz vor seiner Rettung. Fannie Mae und Freddie Mac (beides US-amerikanische Hypothekenbanken) hatten sogar ein AAA-Rating - also das bestmögliche - als sie gerettet wurden. Auch die US-Finanzdienstleister Citigroup und Merryl Lynch hatten laut Fons ein solides Investment-Rating kurz bevor sie gerettet wurden.

So drängt sich die Frage auf: Waren und sind die US-amerikanischen Ratingagenturen Standard and Poors, Moody's und Fitch in der Krise wirklich eine Hilfe, um Finanzkrisen zu vermeiden? Abwegige Ratings der Agenturen gab es auch für Griechenland: ein A-Rating (noch ein gutes Investmentrating) bestand immerhin bis Anfang 2009, obwohl laut "Spiegel" Goldman Sachs schon 2002 Griechenland bei der Schuldenkosmetik unterstützt hat und Haushaltsprobleme bekannt waren.

Ich bin dafür, dass Europa künftig auf eine eigene, unabhängige und zuverlässige Ratingagentur setzt, z. B. angesiedelt bei der Europäischen Zentralbank.