Handwerksjunioren für „Rente mit 67 und darüber hinaus“
Von Gerd Schade, Neue OZ / Emszeitung
Papenburg.
In Papenburg findet an diesem Wochenende der 53. Bundeskongress der Junioren des Handwerks statt. Bundesvorsitzender Carsten Röttgers hat dabei als Papenburger gewissermaßen ein „Heimspiel“. Über die Ziele des Kongresses spricht Röttgers im Interview mit unserer Zeitung:
Herr Röttgers, Sie erwarten am kommenden Wochenende mehr als 150 junge Unternehmer in Papenburg. Mit welchen Pfunden hat der Bundesvorsitzende für sein „Heimspiel“ gewuchert?
Ein Zugpferd ist natürlich die Meyer Werft. Viele Verbandsmitglieder wollen endlich die Region kennenlernen, in der die großen Schiffe gebaut werden und wovon ich so viel erzähle. Die Werft ist ein traditionsreiches Familienunternehmen, in dem sich Industrie und Handwerk verzahnen. Ein Großteil der Zuliefereraufträge wird an die heimische Wirtschaft, das Handwerk, vergeben.
Am Samstag tagt der Kongress in der Stadthalle. Welche Themen brennen den Handwerksjunioren aktuell besonders unter den Nägeln?
Ein bedeutendes Thema wird die Begleitung einer bundesweiten Imagekampagne für das deutsche Handwerk sein, die 2010 startet. Wir haben festgestellt, dass viele Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren mit dem Begriff „Handwerk“ überhaupt nichts anfangen können. Wir wollen dazu beitragen, dass sich dieser Begriff wieder in den Köpfen festsetzt – und zwar positiv. Jugendliche müssen wieder wissen, dass unter anderem Fleischer und Bäcker keine Ladenberufe, sondern Handwerke sind. Darüber hinaus bedeutet Handwerk auch Hightech. Jugendlichen soll bewusst werden: „Handwerker machen hochwertige Arbeit – und ich kann, ich muss dabei sein.“
Ein weiteres Thema ist das Forderungsmanagement. Hat sich die Zahlungsmoral der Kunden verschlechtert?
Schwer zu sagen. Mein Vater hat immer gesagt: Schnelle Arbeit muss auch schnell bezahlt werden. Leider aber ist das Verständnis für pünktliche Zahlung vielfach Mangelware. Durch Leistung entstehen Kosten, die bezahlt werden müssen. Handwerker brauchen Liquidität, sonst geraten sie in die Bredouille. Inkasso-Büros kommen beim Handwerk aber erst spät ins Spiel. Wir suchen zunächst immer das Gespräch.
Stichwort demografischer Wandel: Die Jüngeren werden immer weniger, die Älteren immer mehr. Was bedeutet für Sie Generationensolidarität?
Ältere Mitarbeiter – ältere Kunden: Die Senioren sind ein grandioser Markt, der viel stärker in den Fokus unserer Unternehmen rücken muss. Erfahrene Mitarbeiter sind ein gewichtiges Pfund, über das wir mit Prävention und Vorsorge möglichst lange verfügen wollen. In diesem Zusammenhang ist die Rente mit 67 und darüber hinaus sicherlich vonnöten, weil immer weniger Menschen da sind, die in die Rentenkasse einzahlen können und unsere Mitarbeiter immer fitter werden. Wir wollen keinem Rentner etwas. Aber warum sollte einer mit 63 nach Hause gehen, wenn er seine Leistung noch bringen kann? Was wir brauchen, ist ein Miteinander der Generationen.
Wie soll dieses Miteinander in der Praxis des Arbeitsalltages aussehen?
Der Schlüssel liegt in der Kommunikation. Ältere Mitarbeiter verfügen über viel Know-how, das sie an jüngere weitergeben müssen. Im Idealfall bildet der Altgeselle den Azubi mit aus. Dabei muss zum Beispiel ein 67-jähriger Dachdecker nicht mehr auf Dächern herumklettern. Er könnte anderweitig – zum Beispiel in der Arbeitsvorbereitung – eingesetzt werden. Wichtig ist, Arbeitsplätze schnell und flexibel zu besetzen, damit das Wissen im Unternehmen bleibt.
Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung?
Im Wesentlichen drei Dringe: eine Lockerung des Kündigungsschutzes in den ersten zwei Jahren, die Abschaffung der Erbschaftsteuer und ein Ende des Föderalismus in der Bildungspolitik. Die Rahmenkompetenz muss beim Bund liegen, finanziell unterstützt durch einen Solidaritätszuschlag für Bildung. Bildung ist der Dreh- und Angelpunkt für den Wohlstand der ganzen Republik.
http://www.neue-oz.de/information/noz_print/kreis_emsland/23669318.html




