Hier eine kurze Bilderdokumentation vom Kongress
52. Bundeskongress Hanau
Die Junioren des Handwerks veranstalteten vom 26. bis 28. September 2008 ihren 52. Bundeskongress in Hanau auf Einladung des hessischen Landesverbandes der Handwerksjunioren, erstmalig in Hessen. Zentrales Thema war die Diskussion über die Hanauer Positionen, ein Grundsatzpapier mit den politischen Inhalten, die die Handwerksjunioren nach außen kommunizieren wollen. Dabei stand das Thema Generationensolidarität im Mittelpunkt, das sich wie ein roter Faden durch die politischen Themen Rente, Steuerpolitik, Bildungspolitik zieht. So sagte Carsten Röttgers, der Bundesvorsitzende der Junioren des Handwerks vor rund 100 Gästen: "Das Handwerk braucht nachhaltige Rahmenbedingungen, um seine Aufgaben in Wirtschaft und Politik weiterhin erfüllen zu können." Neben Ministerpräsident Roland Koch sprachen u. a. auch Bernd Ehinger, Präsident des Hessischen Handwerkstages sowie Michael Matulka, Vorsitzender der Junioren des Handwerks Hanau. In seiner Festrede schrieb Koch dem Handwerk vor allem die Funktion eines "Motors der Hoffnung" zu: "Sie beweisen immer wieder, dass Teilhabe am Wohlstand durch persönlichen Einsatz erreicht wird", so der Ministerpräsident. Die Junioren des Handwerks sind die offizielle Nachwuchsorganisation des deutschen Handwerks, in der Unternehmer, Führungskräfte und leitende Angestellte bis 40 Jahre branchenübergreifend zusammengeschlossen sind. Mit dem Leitsatz "Durch Einsatz und Freude Ziele erreichen" engagieren sie sich inhaltlich im und für das Handwerk. "Wir setzen auf Sie und verstehen Sie als unsere Zukunft", betonte Ehinger, der daran erinnerte, dass die Junioren des Handwerks in zahlreichen Innungen, Kammern und Ausschüssen ehrenamtlich tätig seien.
"Wir bilden eine Interessen- und Wertegemeinschaft, deren Anspruch es ist, die Identität des jungen Handwerks in der Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe ´Handwerk´ zu verdeutlichen", so Röttgers. Den Mitgliedern sei es dabei ein Anliegen, das junge Handwerk als Markenzeichen für Qualität auf der Basis fundierter beruflicher Qualifikation mit qualitativ hochwertigen, individuellen Produkten und Dienstleistungen zu präsentieren. "Gemeinsam möchten wir das Handwerk auf allen Ebenen nach vorne bringen", ergänzte Matulka, der sich von der Politik wünschte, das Unternehmertum, nicht dagegen die Bürokratie, zu fördern: "Wir möchten lieber Arbeitsplätze schaffen und junge Menschen ausbilden als uns mit Paragrafen herumzuschlagen." Wie Roland Koch erläuterte, habe der Staat immer dann eine gute Begründung, sich zurückzunehmen, wenn die Selbstverwaltung funktioniert. "Ich freue mich, dass es einen Handwerksnachwuchs gibt, der sich einbringt", so der Ministerpräsident, "denn Politik kann dem Handwerk einen sicheren Hafen bieten, aber wir besetzen nicht die Schiffe und vergeben auch nicht die Liegeplätze." "Leider orientieren sich die Deutschen traditionell mehr an Risiken als an Chancen", berichtete der Ministerpräsident. Im Handwerk erkenne er allerdings Optimismus sowie die Lust auf Herausforderungen. "Wir brauchen gute Löhne, eine fundierte Ausbildung sowie Entlastungen durch Neureglungen bei der Erbschaftssteuer", so Roland Koch, der die Betriebe trotz Finanzkrise und langsamem Wachstum konkurrenzfähig sieht. Zum Thema Ausbildung merkte er an: "Leider sind wir in der Vergangenheit mit Menschen, die über eher praktische Begabungen verfügen, nicht gut umgegangen; das muss sich ändern, beispielsweise durch die Etablierung der Praxisschule. Der deutsche Handwerksmeister bedeute im technischen Bereich mehr als der amerikanische Bachelor.“ Koch prognostizierte, dass Deutschland in naher Zukunft um Menschen ringen wird, die die Arbeit erledigen können, die aktuell generiert wird. Er rechnet mit mehr Arbeit für Männer und Frauen gleichermaßen, was in der Folge beispielsweise grundlegende Veränderungen in der Tagesbetreuung mit sich brächte. Er bemerkte, dass zukünftig mehr Geld für Bildung ausgegeben werden müsse, dass mehr Bereitschaft des Einzelnen nötig sein wird, sich ständig weiterzubilden, um in Zeiten der Globalisierung zu bestehen. "Deutschland ist nicht chancenlos, sollte trotz eines immer noch Vergleiche suchenden Sozialsystems nicht als Hängematte verstanden werden. Das Ergebnis der kommenden Bundestagswahl wird stark davon abhängen, wer es schaffen wird, den Menschen zu vermitteln, dass es nicht nur Risiken gibt, sondern auch Chancen und Hoffnung, an denen jeder teilhaben kann."
Der Hanauer Oberbürgermeister Kaminsky ermutigte das regionale Handwerk, sich in Hanau zu engagieren. "Wir werden in den kommenden Jahren rund 500 Millionen Euro in die Stadtentwicklung investieren", erklärte er in Bezug auf das Projekt "Gleisbauhof". Weitere Chancen für das Handwerk der Region seien in den 340 Hektar Hanauer Konversionsfläche zu sehen. Das Stadtoberhaupt forderte Steuerboni für handwerkliche Betriebe und appellierte an die Endverbraucher, die "Geiz ist geil!"-Mentalität endlich aufzugeben: "Gute Arbeit hat ihren Preis", unterstrich er den Qualitätsanspruch der mittelständischen Betriebe. Landrat Pipa ermutigte die Handwerkerschaft, sich mehr in der kommunalen Politik zu engagieren, um ihre Interessen dort angemessen zu vertreten.




