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v.l. Frank Wiercks, Joachim Garrecht, Heinrich Traublinger, Sandra Bauscher und Carsten Röttgers

38. Internationales Forum der Junioren des Handwerks auf der IHM 2008: Handwerk ohne Nachwuchs?

Zum 38. Internationalen Juniorenforum der Junioren des Handwerks fand sich auf der IHM 2008 eine illustre Runde ein, um über das Thema „Geht dem Handwerk der Nachwuchs aus?“ zu diskutieren und Lösungsansätze zu suchen: MinR Joachim Garrecht, Referatsleiter Handwerk im Bundeswirtschaftsministerium, Heinrich Traublinger, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Sandra Bauscher, Maler- und Lackierermeisterin, auch als Farbfee bekannt, Carsten Röttgers, Vorsitzender des Bundesverbandes der Junioren des Handwerks und Geschäftsführer der Karl Röttgers GmbH in Papenburg unter der Moderation von Frank Wiercks, Chefredakteur handwerkmagazin.

Zum Einstieg machte Carsten Röttgers deutlich, dass sich für das Handwerk trotz der hohen Jugendarbeitslosigkeit bereits heute ein Mangel an ausbildungsfähigen Jugendlichen abzeichne, sodass schon in naher Zukunft qualifizierte Fachkräfte fehlen würden. Außerdem kritisierte er die politischen Rahmenbedingungen, die die Attraktivität der Selbständigkeit im Handwerk negativ beeinflussten, nachdem bereits im vergangenen Jahr ein Rückgang von Existenzgründungen deutlich wurde.

Frank Wiercks lenkte den Blick auf die Erfolge beim Ausbildungspakt, die sich durch gestiegene Zahlen bei abgeschlossenen Ausbildungsverträgen manifestierten, was Heinrich Traublinger nur bestätigen konnte: „Das Handwerk hat den Ausbildungspakt übererfüllt, um jungen Menschen Hilfe zu gewähren, aber auch, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen.“Joachim Garrecht forderte dazu eine bessere Einstiegsqualifikation der Jugendlichen mit Schwerpunkten auf Mathematik und Naturwissenschaften. Sandra Bauscher rundete die Diskussion mit eigenen negativen Erfahrungen bei der Einstellung von Lehrlingen ab und führte dies auch auf die schlechte Berufsberatung durch Arbeitsamt und auch Lehrer zurück.

Dabei spielt natürlich auch das Image des Handwerks eine Rolle. Carsten Röttgers hob hervor, dass das Handwerk, gerade was die Sicherheit der Beschäftigung angeht, sich vorbildlich verhält und Entlassungen nur in wirklich größten Notlagen vornimmt - im Gegensatz zur Industrie, die ihre Beschäftigungspolitik von der Renditeentwicklung abhängig macht.

Sandra Bauscher wies auf Klischees hin, die Abiturienten gegenüber Handwerksberufen hegten und Heinrich Traublinger betonte, dass die Ausbildung im Handwerk keine Einbahnstraße sei, sondern Fortbildungsmöglichkeiten bis hin zur Promotion ermögliche.

Weiteres Thema der Gesprächsrunde war die Fachkräfteproblematik. In dem Punkt, dass nur hohe Qualifikation zu dauerhafter Beschäftigung führt, war man sich einig; auch darüber, dass das Handwerk ein Imageproblem bzw. ein Kommunikationsproblem hat. Die Attraktivität eines Arbeitsplatzes im Handwerksbetrieb mit seinen kleinbetrieblichen Strukturen, persönlicher Verantwortung des Mitarbeiters, geringem Arbeitsplatzrisiko und der angenehmen Arbeitsatmosphäre müsse in Zukunft deutlicher kommuniziert werden.

Dies führte zur Frage nach dem  Unternehmerbild. Es zeichnet sich ab, dass der Trend zur Selbständigkeit rückläufig ist, was nicht nur mit politischen Rahmenbedingungen zusammenhängt. Carsten Röttgers sprach von dem verstaubten Bild eines Handwerkers, der „von sechs Uhr in der Frühe bis 22.00 Uhr in der Nacht“ arbeite. Vermittelt werden müsse aber, dass es auch Spaß mache, handwerklicher Unternehmer zu sein. Sandra Bauscher stimmte zu und betonte den Facettenreichtum des Handwerks mit positivem Kundenkontakt und auch gutem Image, das verstärkt herausgehoben werden solle. Auch Heinrich Traublinger schlug in dieselbe Kerbe, indem er feststellte, dass hochqualifizierte Berufe Wachstumschancen hätten und deshalb auch vom Handwerk selbst mit einem positiven Unternehmerbild „vorgelebt„ werden müsse.

In diesem Zusammenhang wurden auch Betriebsübergaben angesprochen, wobei auffiel, dass nur noch 45% der Übergaben innerhalb der Familie erfolgen. Frank Wiercks lenkte den Blick auf die Gründe dieser Entwicklung. Heinrich Traublinger forderte in diesem Zusammenhang, dass Betriebsübergaben attraktiver werden müssten, auch durch Kreditprogramme und durch steuerliche Begünstigung.

Carsten Röttgers machte noch einmal deutlich, dass das Handwerk im Gegensatz zur Industrie sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sei und nicht - wie bei Nokia geschehen - „Gelder in Millionenhöhe einstreicht und dann die Menschen aus Renditedenken entlässt.“ Weiter sollten „die Unternehmensnachfolger bei der Erbschaftssteuer entlastet werden, denn es kann nicht sein, dass ein Handwerksbetrieb über 15 Jahre mit der gleichen Belegschaft ohne die Möglichkeit einer Reaktion auf sich verändernde Märkte weitergeführt werden muss, um die Erbschaftssteuer abzuschmelzen.“ Heinrich Traublinger pflichtete bei: „Wir Handwerker haben lebenslänglich Deutschland und können unsere Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlegen.“

Das Fazit der Veranstaltung zogen dann Sandra Bauscher mit der Aufforderung, „bei der Ausbildung das Handwerk auch mit Freude zu vermitteln“, Joachim Garrecht mit der Empfehlung, staatliche Unterstützung anzunehmen und Carsten Röttgers mit seiner persönlichen Begründung, Handwerksunternehmer zu werden. „Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima, das dazu beiträgt, dass Unternehmer zu sein in Deutschland nicht gleichgesetzt wird mit Heuschrecken, Shareholder Value oder Steuersparmodell Liechtenstein. Das ist nicht die deutsche Wirtschaft! Die deutsche Wirtschaft, das sind die Mittelständler, die in Deutschland arbeiten und auch in Deutschland Steuern zahlen – auch wenn es uns zugegebener-maßen schwer fällt,“ so Carsten Röttgers in seinem Schlusswort.

Alexander Kropp, Pressesprecher Bundesverband der Junioren des Handwerks

Pressefotos hier: